150 Jahre Dominikaner in Düsseldorf

Jan Wellem Heft 1/2011

 

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts versuchten die Dominikaner wieder in Deutschland Fuß zu fassen, nachdem in der Säkularisation alle Klöster aufgehoben worden waren. An die reiche Tradition der alten deutschen Ordensprovinz Teutonia, die einmal so bedeutende Gelehrte wie Albertus Magnus und Meister Eckhart hervorgebracht hatte, erinnerte nur noch wenig, und man musste quasi wieder bei null anfangen. Da Ordensleute nicht überall willkommen waren, erwies sich allein schon die Suche nach einem geeigneten Ort für den geplanten Neubeginn als äußerst schwierig.
Schließlich machte der Luxemburger Bischof Johann Theodor Laurent den entscheidenden Vorschlag: „Ich glaube nicht, dass ... eine Stadt günstigere Bedingungen für eine Gründung der Söhne des hl. Dominikus zu bieten hat als Düsseldorf... Die Bevölkerung ist dort sehr rege und geistig sehr aufgeweckt... Auch das sittliche Elend ist dort sehr groß. Es gibt also dort so etwas wie ein braches Land, an dem sich der Eifer eines tätigen Ordens bewähren könnte“, schrieb er im Oktober 1858 an Pater Ceslaus von Robiano OP, der die Dominikaner wieder nach Deutschland holen wollte. Gemeinsam mit Pater Dominikus Lentz OP aus Wien reiste Robiano im Juli 1859 nach Düsseldorf, um sich die Stadt genauer anzusehen und nach einem möglichen Standort zu suchen. Einige Monate später war es dann endlich soweit, und die Dominikaner gründeten am 18. Januar 1860 ihre erste Niederlassung in Düsseldorf.
Entsprechend durften wir in diesem Jahr ein Jubiläum feiern: 150 Jahre Dominikaner in Düsseldorf - ein guter Anlass, einmal zurückzublicken und an die wechselvolle Geschichte des Düsseldorfer Klosters zu erinnern.
Eine Fotoausstellung mit Aufnahmen von Walter Klein stellte zugleich unsere heutige Arbeit „im Herzen der Altstadt“ vor. Und ganz im Sinne rheinischer Lebensfreude gab es im Jubiläumsjahr auch manche Gelegenheit, mit einem Glas Altbier oder eigens hergestelltem „Dominikaner-Dröppke“ auf die bisherigen 150 Jahre anzustoßen. Den feierlichen Abschluss des Jubiläumsjahres bildete ein Festhochamt mit unserem Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner, zu dem wir auch den Düsseldorfer Oberbürgermeister Dirk Eibers und zahlreiche andere Vertreter der Stadt begrüßen durften. Unter der bewährten Leitung von Herrn Brall sang der Chor unserer Kirche und des Görresgymnasiums die Krönungsmesse von Mozart, unterstützt von Chorsängerinnen und -sängern der benachbarten Neanderkirche, mit der uns seit Jahren ein gutes ökumenisches Miteinander verbindet.
Nach der Festmesse wurde dann - bei strahlendem Wetter - vor unserer Klosterkirche weitergefeiert. Oberbürgermeister Eibers gratulierte dem Düsseldorfer Konvent mit einem besonderen Geburtstagsgeschenk, indem er ein Straßenschild mit der Aufschrift „Am Dominikanerkloster“ anbringen ließ, das dem öffentlichen Platz zwischen Kirche und Kloster endlich einen Namen gibt - ein sichtbares Zeichen, dass Andreaskirche und Dominikanerkonvent zusammengehören, dass sich unser Kloster eben „im Herzen der Altstadt“ befindet.
Das war nämlich nicht immer so: Die ersten Dominikaner, die 1860 nach Düsseldorf kamen, hatten zunächst noch in einem einfachen Wohnhaus in der Friedrichstadt, einem im 19. Jahrhundert im Zuge der Stadterweiterung und Industrialisierung entstandenen Neubaugebiet, gewohnt. Nur wenige Meter von diesem Haus entfernt - auf einem Grundstück des Grafen Spees zu Heitorf an der Herzogstraße - wurde dann 1866 mit dem Bau des ersten Klosters und der Kirche begonnen. Dass Graf Spee zunächst Eigentümer des Grundstücks blieb, sollte sich in der Zeit des Kulturkampfs noch als Segen erweisen; denn mit dem Klostergesetz von 1875 wurden alle Orden in Preußen verboten, die sich nicht ausschließlich der Krankenpflege widmeten, und so mussten die Dominikaner im August 1875 die Stadt wieder verlassen.
Alles schien damals verloren, der hoffnungsvolle Neubeginn in Deutschland galt als gescheitert. Doch Graf Spee erstritt vor dem Leipziger Reichsgericht sein Eigentumsrecht und konnte so das Klostergelände vor den Zugriffen des Staates schützen, bis die Dominikaner im Dezember 1887, also erst zwölf Jahre später(!), wieder nach Düsseldorf zurückkehren durften. Erst wenn man diese Schwierigkeiten der Anfangszeit kennt, - und von den finanziellen Sorgen, dem ausbleibenden Nachwuchs und der überzogenen Strenge der ersten Jahre kann hier nicht weiter berichtet werden... - wird verständlich, warum Pater Paulus von Loe OP, einer der großen Ordenshistoriker unserer Provinz, in einer Artikelserie für das „Düsseldorfer Tageblatt“ schreiben konnte: „Manche trübe, sorgenschwere Stunde haben die Dominikaner in Düsseldorf durchlebt, bis die Vorbedingungen zu einer gedeihlichen Wirksamkeit gegeben, bis ihr Eigentum und ihre Rechtstellung gesichert waren. Aber es war doch das Walten Gottes, das sie stets geführt und begleitet hatte“, endet sein Artikel vom 3. September 1911.
Aus diesen Zeilen spricht nicht nur ein festes Gottvertrauen, sondern sie lassen auch erkennen, dass es mit der Düsseldorfer Kommunität nach dem Kulturkampf endlich bergauf gegangen war: Inzwischen waren die Bauarbeiten abgeschlossen, und das Kloster an der Herzogstraße genoss auch weit über die Grenzen der Stadt hinaus einen ausgezeichneten Ruf. Hier wurden die deutschen Studenten des Ordens ausgebildet, und hier hatte seit der Wiedergründung der deutschen Dominikanerprovinz Teutonia im Jahre 1895 auch der Provinzial seinen Sitz. Und selbst als 1932 das Provinzialat nach Köln verlegt wurde und zwei Jahre später auch noch das Generalstudium von Düsseldorf nach Walberberg umzog, behielt das Düsseldorfer Kloster seine wichtige Bedeutung als Seelsorgekonvent. Das ist bis heute so geblieben, auch wenn sich unser Kloster inzwischen nicht mehr an der Herzogstraße, sondern gegenüber der Andreaskirche, umgeben von zahlreichen Kneipen und Restaurants, „im Herzen der Altstadt“ befindet. Das Leben (und Schlafen...) an der so genannten „längsten Theke der Welt“ ist zwar nicht immer ganz einfach, aber dafür betreuen wir mit der ehemaligen Hof- und Jesuitenkirche St. Andreas einen ganz besonderen Seelsorgeort in der Stadt, der neben den vielen Gottesdienstbesuchern auch zahlreiche Touristen, aber auch Menschen, die einfach nur so „vorbeikommen“ oder über ihre Sorgen und Probleme sprechen wollen, anzieht. Zusammen mit zahlreichen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern wurde daher 1991 das Projekt „St. Andreas - Offene Kirche der Dominikaner“ ins Leben gerufen. Nach „150 Jahren Dominikaner in Düsseldorf“ können wir in diesem Jahr also schon wieder ein kleines Jubiläum feiern...

Elias H. Füllenbach OP