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Das Leben im Kloster
Wie lebt man im Kloster? Was macht man da den ganzen Tag? So werde ich des Öfteren gefragt. Dennoch habe ich etwas gestutzt, als mir die Frage gestellt wurde, ob ich über unseren Klosteralltag in der Düsseldorfer Altstadt einen Artikel schreiben könnte. Schließlich findet ein Teil meines persönlichen Lebens als Dominikaner im linksrheinischen Seelsorgebereich statt. Auch wenn ich nicht dort wohne, verbringe ich - vor allem am Wochenende - oft mehr Zeit in der Pfarrei als in der Klosterzelle.
Ähnlich ergeht es vielen meiner Mitbrüder, die tagsüber ihrer Arbeit nachgehen - ob nun als Gefängnisseelsorger, Ansprechpartner in der City-Pastoral, Pfarrvikar von St. Lambertus oder eben als Kaplan in Ober- und Niederkassel. Ein Mitbruder fährt sogar jeden Morgen nach Köln, um dort die Bibliothek unserer deutschen Ordensprovinz zu betreuen. Ich selbst bin zwei Tage in der Woche am Institut für Kirchengeschichte an der Universität in Bonn tätig.
Das Leben eines Dominikaners spielt sich also recht viel außerhalb der „Klostermauern“ (die gibt es natürlich gar nicht) ab und verlangt eine gehörige Portion Selbständigkeit. Um so wichtiger sind daher die festen Zeiten im Kloster, die den Tag nicht nur strukturieren, sondern uns als Ordensgemeinschaft immer wieder zusammenführen - zum Gebet, zum gemeinsamen Essen, zu regelmäßigen Besprechungen und Hauskapiteln.
Zum Tagesablauf: Um 7.30 Uhr Versammlung zum Morgengebet in der Klosterkirche. Anschließend Frühstück. Dann brechen die meisten zu ihrer Arbeit auf. Wer es ermöglichen kann, kehrt mittags zum Gebet und zum Essen wieder ins Kloster zurück - ein gemeinsames Treffen und gute Gelegenheit, sich auszutauschen. Nachmittags muss einer von uns für Beichtgespräche in der Kirche bereit stehen. Soweit es geht, versuchen wir, an unserer schönen Klosterkirche präsent zu sein. St. Andreas ist als zentral gelegenes Gotteshaus, ehemalige Hofkirche sowie Begräbnisstätte der Düsseldorfer Kurfürsten ein großer Anziehungspunkt für die unterschiedlichsten Menschen in Düsseldorf. Wir feiern Gottesdienste, bieten Kirchenführungen an, veranstalten Konzerte und Ausstellungen - und versuchen nicht nur Obdachlosen, sondern auch Drogensüchtigen zu helfen. Abends beten wir dann an einigen Tagen gemeinsam die Vesper oder sitzen gemütlich beisammen. Oft sind die Abende aber auch mit Terminen angefüllt: Tauf- und Traugespräche, Gruppenstunden, Gremienarbeit, Vorträge, Sitzungen. Da hält der eine einen Einkehrabend für den Bund katholischer Unternehmer, während der andere die neueste Ausgabe des „theo“ vorbereitet und sich der Dritte nach einem anstrengenden Tag einen Krimi im Fernsehen anschaut.
Auf den ersten Blick mag das wenig klösterlich wirken. Aber ein Kloster in der Stadt muss eigenen Regeln folgen. Wer bei all den Abendterminen oft erst spät ins Bett kommt, kann nicht schon in aller Herrgottsfrühe um vier oder fünf Uhr aufstehen und beten. Wer Menschen ansprechen möchte, darf sich nicht zurückhalten und warten, bis jemand zufällig vorbeikommt und an der Pforte klingelt.
Als Dominikaner wollen und müssen wir bei den Menschen sein. Denn es war bereits das Anliegen unseres Ordensgründers, des heiligen Dominikus, den Menschen die frohe Botschaft zu bringen - wie es einst die Jünger Jesu getan hatten. Deswegen gründete er 1215 in Toulouse eine Gemeinschaft von Predigern, die schon ein Jahr später vom Papst bestätigt wurde, weil Dominikus mit seiner Idee vom Ordensleben in der Stadt genau den Nerv der Zeit getroffen hatte.
Natürlich ist dieses Klosterleben in der Stadt nicht immer einfach. Vor allem, wenn man - wie in der Düsseldorfer Altstadt - „an der längsten Theke der Welt“ wohnt. Aber dafür sind wir mittendrin - im Umfeld vieler Menschen!
Elias Füllenbach OP
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