RP-Serie: Stadtviertel

RP vom 7.8.2010: Die Altstadt

„Sehr lebendiges Dörfchen mit guten Nachbarn“

Anfang der 70er Jahre zogen die Dominikaner von der Herzogstraße in die Altstadt. RP-Redakteur Christian Herrendorf sprach mit Pater Wolfgang.

Haben Sie je bereut, in die Altstadt gezogen zu sein?
Pater Wolfgang Wir haben uns damals für die kleinste Pfarrei und die interessanteste Gemeinde entschieden. Trotz der Lärmbelastung sind wir heute noch sehr froh, dass wir das getan haben.

Warum?
Pater Wolfgang Weil für Predigerbrüder die Umgebung einfach herrlich ist mit den Kontakten zu Menschen, Museen, Oper und Kneipen.

Welche Rolle spielt bei der Arbeit des Ordens die Andreas-Kirche?
Pater Wolfgang Sie ist ein Ort der Ruhe, der Anbetung, der Geschichte. Wir haben hier schon Fahrzeuge von Brauereien gesegnet, Wirte verheiratet oder Juristen gesehen, die eine Kerze für die Gerechtigkeit anzünden. Vor allem aber soll die Kirche ein offener Ort sein.

Wie schaffen Sie das?
Pater Wolfgang Die Kirche ist in der Regel von sieben bis sieben geöffnet. Probleme mit Vandalismus gibt es kaum, weil eigentlich immer jemand in der Kirche ist. Und wir haben die Messe von morgens auf den Mittag gelegt. Nun sitzen an jedem Werktag 50 bis 120 Menschen in der Messe. Früher waren es zwei bis fünf.

Sie haben auch die Altstadt-Armenküche mitgegründet. Pater Wolfgang In Düsseldorf würden viel mehr Leute auf der Straße leben, wenn sich nicht unsere Armenküche gemeinsam mit vielen Initiativen, Politik und Verwaltung darum kümmern würde.

Was macht den Erfolg der Armenküche aus?
Pater Wolfgang Es ist ein offener Ort mit warmherziger Atmosphäre. Beides führt dazu, dass wir mit vielen Menschen in Kontakt kommen, die weitere Hilfe brauchen und die wir zu den passenden Angeboten bringen können.

Was mögen Sie an der Altstadt?
Pater Wolfgang Sie ist ein sehr lebendiges Dörfchen mit vielen guten Nachbarn. Und die Altstadt ist ein Ort, an dem ich auch um Mitternacht rausgehen und ganz normale Leute treffen kann.

MEIN TIPP: „Wer in die Altstadt kommt, sollte einmal Muscheln bei Bender´s Marie essen. Oder ein Riesenschnitzel.“

RP-Foto: Andreas Bretz