Neues Altstadtpflaster

RP und WZ vom 14.07.2010 und RP vom 21.7.2010


 

RP vom 14.07.2010

 

Info-Abend: Bürger enttäuscht

Die Diskussionsveranstaltung über das neue Alstadtpflaster fand zwar bei heißen Temperaturen statt, die Stimmung blieb dennoch unterkühlt. Bei den rund 50 Besuchern blieb der Eindruck, vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden.

VON MICHAEL BROCKERHOFF UND DENISA RICHTERS

Die Veranstaltung im Rathaus zur neuen Pflasterung für die Altstadt ist noch nicht zu Ende, da radelt Andreas Köchler über den Burgplatz davon. „Was sollen diese Ausführungen über das historische Stadtbild?“, sagt er über das, was er gerade gehört hat. Für den Künstler ist keiner der beiden Vorschläge, die im Innenhof des Rathauses zu sehen sind, überzeugend. „Da kann das Wasser nicht abfließen.“ Er favorisiert kleinteilige Steine wie auf dem Burgplatz und wundert sich, warum die Stadt nicht im Vorfeld eine breite Debatte angestoßen hat.
Damit ist er an diesem Abend nicht alleine. „Gibt es noch Möglichkeiten, durch Vorschläge die Gestaltung zu verändern?“, fragen mehrere Bürger. Als die Verwaltung, vertreten durch die Abteilungsleiter Dirk Backmann und Peter Müller, verneint, verlassen mehrere Teilnehmer enttäuscht das überhitzte Foyer.

„Wettbewerb zu aufwändig“
Auch ein Wettbewerb wird mehrfach gefordert - wie schon im Rat von SPD und Grünen. „Wenn Bürger nur entscheiden dürfen, welche Form die Bänke haben, ist die Bürgerbeteiligung eine Farce“, sagt Ulrich Kaupschäfer. Bezirksvorsteherin Sabine Schmidt (CDU) hält dagegen: „Ein internationaler Wettbewerb wäre zu aufwändig. Aber wir brauchen die Ideen der Bürger für Details in der Gestaltung.“
Die Stadtplaner sehen die neue Pflasterung als Chance, die Altstadt neu zu gestalten. Statt der jetzt verschiedenartigen Bodenbeläge soll es künftig einen einheitlichen Stein geben, der den bunten Häusern einen ruhigen Rahmen gibt. Für Abwechslung sollen nur die unterschiedlichen Größen der Platten sorgen. Die Pläne sind nicht unumstritten. So halten auch Architekten eine einheitliche Pflasterung in der gesamten Altstadt für eintönig.
Das sieht an diesem Abend auch ein älterer Herr so, der sich nach dem 20-minütigen Vortrag zu Wort meldet: „Das Grau ist doch langweilig!“ Dominikanerpater Wolfgang interessiert sich vor allem für die Gestaltung des Platzes zwischen Andreaskirche und Dominikanerkloster: „Wir kämpfen seit 1996 für einen rollstuhlgerechten Zugang, bisher vergebens.“ Backmann stellt dafür eine Lösung „in einem zweiten Schritt“ in Aussicht. Walburga Breuer ärgert sich darüber, dass es in dem heißen Foyer nur ein Dutzend Sitzplätze gibt. „Das ist doch unmöglich!“, sagt sie und holt sich kurzerhand aus einem Nebenraum einen Stuhl.
Wem’s zu heiß geworden ist, der debattiert an den Musterflächen im kühleren Innenhof - über Rutschfestigkeit des Pflasters, wie es zu säubern ist und ob die Bänke Lehnen brauchen oder nicht. Backmann verspricht, all dies werde in den nächsten Wochen getestet.

RP-Foto: THOMAS BUSSKAMP: Wie läuft's sich auf dem Pflaster? Düsseldorfer, wie hier Dominikanerpater Wolfgang, prüften die Steine.


 

WZ vom 14.07.2010

Neues Pflaster: Bürger wollen Wettbewerb für Kreative

ALTSTADT  Viel Kritik gestern im Rathaus bei der Anhörung.

Von Dieter Sieckmeyer

Wenig begeistert sind die Anlieger von den Plänen für das neue Altstadtpflaster und den Bänken, die zwischen Ratinger Straße und Carlsplatz aufgestellt werden sollen. Bei der Bürgeranhörung gestern Abend gab es den meisten Applaus, als ein Ideen-Wettbewerb gefordert wurde. Ähnlich wie an der Rheinuferpromenade wünschen sich die Bürger eine Alternative zu den beiden grauen Pflastersteinen, die bisher von der Verwaltung favorisiert werden.
„Für uns ist besonders wichtig, dass die Andreaskirche und das Kloster zukünftig barrierefrei sind. Das ist ein echtes Problem“, erklärte Pater Wolfgang, der auch die Armenküche leitet. Von der Bezirksvertretung sei die Aufpflasterung auch bereits zugesichert worden. Doch da nun der Rat darüber entscheidet, befürchtet der Pater, dass die Baumaßnahme unter den Tisch fallen könnte.

Hausbesitzer befürchten immer noch die Kosten der Sanierung
Ein anderes Problem sind die Kosten. Zwar hat die Verwaltung betont, dass die Bürger nicht zur Kasse gebeten werden sollen, doch die Hausbesitzer sind misstrauisch. „In der Vorlage steht, dass die Pflasterung aus den Mitteln für die Kanalsanierung finanziert wird. Die Kosten werden aber zum Teil auf die Hausbesitzer umgelegt“, erklärt Dirk Schaper, der Vorsitzende der Altstadtgemeinschaft.
Zumindest bei den Bänken hat die Verwaltung schon den Bedenken der Bürger Rechnung getragen. Sie sollen weniger modern, dafür behinderten- und seniorengerecht, also durchweg mit Rückenlehnen, ausgestattet werden. Welche Anregungen aus der Bürgeranhörung aufgenommen werden - darüber wird der Rat dann nach der Sommerpause entscheiden.


 

RP vom 21.07.2010

 

„Andreasplatz besser gestalten“

VON MICHAEL BROCKERHOFF

Die neue Pflasterung der Altstadtstraßen sehen die Dominikaner der Andreaskirche als Chance. Sie hoffen, dass im Zuge des Umbaus der Andreasplatz neu gestaltet wird. „Wir wünschen uns schon seit langem einen barrierefreien Zugang zur Kirche und auch zum Andreassaal des Klosters gegenüber, damit Rollstuhlfahrer die Räume ohne Schwierigkeiten erreichen können“, erklärt Pater Antonin. Ein Konzept hat die Aktionsgemeinschaft Düsseldorfer Heimatvereine (AGD) zusammen mit Architekt Sebastian Fürst für die Dominikaner erarbeitet.

Schiefe Ebene
Der Kern der Überlegungen: „Der Platz steigt zum Andreassaal leicht an und wird eine schiefe Ebene, die Straßenkante soll genauso hoch werden wie die Schwelle der Saaltür“, erläutert Edmund Spohr, Vorsitzender der AGD. Auf der anderen Seite vor der Kirche könnte von der leicht abfallenden Andreasstraße eine Rampe bis zum Seiteneingang des Gotteshauses führen. Allerdings müssen dafür Verhandlungen mit dem neuen Eigentümer des Stadthauses geführt werden.
„Auch die störenden Telefonanschlusskästen sollten entfernt werden“, wünscht sich Pater Antonin. Vielleicht werde der Platz nach der Umgestaltung auch nicht mehr als Pinkelecke missbraucht.
„Die Wünsche der Dominikaner für eine Verbesserung des Andreasplatzes wird die Stadt bei der Detailplanung berücksichtigen“, sagte Planungsdezernent Gregor Bonin. Es würden noch Gespräche mit den Dominikanern geführt. Noch sei nichts verbaut, unterschiedliche Lösungen könnten diskutiert werden. „Auch Vorschläge der Bürger für die Platzierung von Bänken, Müllbehältern und Fahrradständern werden wir prüfen“, erklärte Bonin.
Eine besondere Gestaltung des Andreasplatzes fordert auch die Ratsfraktion der Grünen in einer Stellungnahme, die sie dem Planungsamt zusammen mit Meinungsäußerungen von etwa 90 Düsseldorfern überreicht hat. Hervorgehoben werden müssen nach Meinung der Grünen auch die breitere Flinger Straße an der Marktstraße und der Kreuzungsbereich Graben- und Mittelstraße mit den beiden Figuren „Die Streitenden“. Zudem fordern die Grünen ein Konzept für Fahrradwege in der Fußgängerzone, die Spaziergänger kaum stören.
Einige Bürger äußerten ähnliche Wünsche, ein Teil jedoch lehnte eine Veränderung ab, weil die neue Pflasterung eintönig sei und der Altstadt schade. „Es wäre gut, wenn die Verwaltung Wege aufzeigen könnte, wie weitere Gestaltungsvorschläge bei dem Planungsverfahren berücksichtigt werden können“, so Fraktionssprecherin Iris Bellstadt.

RP-Foto: Andreas Bretz: Der Platz vor der Andreaskirche soll neu gestaltet werden, damit Rollstuhlfahrer Kirche und Kloster leichter erreichen können.