Kritiker des Drogengesetzes

RP vom 23.03.2009

  

Kritiker des Drogengesetzes

Unterschiedliche Aspekte eines Problems lernt Dominikanerpater Wolfgang Sieffert automatisch durch seine vielfältigen Kontakte kennen. Als Gefängnis-Seelsorger beschäftigt er sich mit den Schwierigkeiten von Straffälligen und deren Familien, über seinen Bruder, der Kommissar bei der Polizei ist, erfährt er viel über die Sichtweisen der Gesetzeshüter, als Mitarbeiter der Armenküche hat er enge Kontakte zu Sozialarbeitern und Streetworkern, die mit schweren Schicksalen zu tun haben.
Aus dieser umfassenden Sicht heraus ist für ihn die neue Drogengesetzgebung in NRW ein Rückschlag für die Bemühungen, möglichst viele vor einer Sucht zu bewahren. Wie es seine offene und selbstbewusste Art ist, hält er mit der Kritik nicht hinter dem Berg, sondern macht sie öffentlich, beispielsweise gemeinsam mit einem Team in der Sonderausgabe „Drogen“ des Ulmer Echo, des Gefangenenmagazins der Justizvollzugsanstalt „Ulmer Höh'“. Seiner Ansicht nach machen Bestimmungen, dass selbst der Besitz kleinster Mengen Drogen angezeigt und zur Anklage gebracht werden muss, die vorbeugende Arbeit gegen Drogenkonsum kaputt. „Wenn schon der Vertrauenslehrer in einer Schule die Polizei sofort unterrichten muss, sind keine vertraulichen Gespräche mehr möglich“, ist er überzeugt. In der Konsequenz würden Jugendliche noch schneller in die versteckte Szene abgedrängt und schneller kriminalisiert. Konnte bisher der Besitz kleinster Mengen für den Selbstkonsum auch noch als Jugendsünde, wenn auch eine schlimme, eingeordnet werden, so gelte dies jetzt von vornherein als Straftal. „Das Eingehen auf die Persönlichkeit und eine individuelle Hilfe sind fast unmöglich“, sagt Pater Wolfgang und macht aus seinem Zorn keinen Hehl. Natürlich müssten Eltern, Lehrer, Jugendleiter und Sozialarbeiter die Augen offen halten, junge Menschen auf Drogenkonsum ansprechen und ihn verhindern. Auch die vorbeugende Zusammenarbeit mit der Polizei sei unumgänglich. Aber repressive Gesetze würden durch die Angst Menschen ausgrenzen. Und das sei schlecht für den Menschen - nicht nur aus biblischer Sicht.
Michael Brockerhoff

Foto: Pater Wolfgang Sieffert setzt sich mit Sucht auseinander.    RP-Archivfoto:Esser