WZ vom 13.02.2009
Kirche umwirbt Liebespaare
VALENTINSTAG Konfessionen haben Tag der Liebenden für sich entdeckt. Die Segnungsgottesdienste wenden sich auch an weniger Fromme.
Von Andreas Rehnolt und Michael Hammes
Düsseldorf. Böse Zungen behaupten, der Valentinstag sei eine Erfindung von Fleurop und der Pralinen-Hersteller, um den Umsatz anzukurbeln. Doch jetzt haben auch die Kirchen den Tag der Verliebten für ihr „Marketing“ entdeckt. So sind morgen 200 „Valentinsboten“ der Stadtmission in Regensburg mit roten Briefumschlägen unterwegs. Sie verteilen „göttliche Liebesbriefe“. Dort ist zu lesen: „Lass uns mal wieder miteinander reden.“ Natürich gilt das als Aufforderung, Gottesdienste am selben Abend zu besuchen. Das dürfte dem Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner gefallen. Segensfeiern für junge Paare am Valentinstag sind seiner Ansicht nach eine neue Form, um auch kirchenferne Menschen „mit Christus in Berührung zu bringen“.
Die Protestanten sind ebenfalls auf den Liebes-Zug aufgesprungen und nehmen die Bibel wörtlich. „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei. Aber die Liebe ist die Größte unter ihnen“, heißt es in der Heiligen Schrift. Unter diesem Motto feiert die evangelische Lukaskirche in Brüggen morgen einen ganz besonderen Gottesdienst. „Herzchen und Schokolade, Kind und Kegel, Partner oder nicht. Hier hat alles Platz, was der Liebe dient“, so eine Mitarbeiterin im Vorfeld der Feier.
Die Form der Feiern sind vielfältig: Die Dominikaner in der Düsseldorfer Kirche Sankt Andreas am Rande der Altstadt etwa laden zur „Nacht der Liebenden“. Das Angebot richte sich an Junge und Alte, Christen und NichtChristen, heißt es in der Einladung. „Warum sollte man diesen Tag mit all seinen Chancen des Erinnerns, des Gedenkens und des Freuens aneinander nicht auch kirchlich nutzen?“ fragt Pater Wolfgang Sieffert.
Dominikaner zeigen Liebes-Bilder und spielen Liebes-Lieder
Vor und nach dem Gottesdienst ist Gelegenheit, der Geschichte von Freundschaft und Liebe im eigenen Leben nachzuspüren, so die Dominikaner. Eine Video-Projektion etwa zeigt Liebes-Bilder. Liebes-Lieder aus Rock- und Pop-Musik sind zu hören, Liebesgedichte sind ausgelegt, und es gibt zu alledem auch die Gelegenheit „zum persönlichen Segen.“ Am Tag des Heiligen Valentin, des Schutzpatrons der Liebenden, „kann jeder seiner Liebe eine Kerze anzünden, einen Liebesbrief schreiben, Weihrauch auflegen oder sie und ihn sonstwie überraschen“, sagt Pfarrerin Kathrin Koppe-Bäumer von der Auferstehungskirche am Neumarkt in Arnsberg. Dort steht sogar ein ökumenischer Valentinsgottesdienst „für Liebes-, Ehe- und Freundespaare“ auf dem Programm. Im Evangelischen Gemeindehaus Sandheide in Erkrath-Hochdahl gibt es einen „Rosenzeit-Gottesdienst“. Der Tag der Liebenden sei Anlass, „Gott Dank zu sagen für die Liebe in unserem Leben und über die Beziehungen nachzudenken, in denen wir leben“, so eine Mitarbeiterin der Kirchengemeinde, für die der Valtentinstag auch „ein Sabbat für die Liebe“ ist.
Eine ganze Woche voller Veranstaltungen für Ehepaare gibt es auch. Im Düsseldorfer Max-Haus in der Altstadt etwa steht die Theaterproduktion „Ein Stück Himmel“ auf dem Programm. Darin geht es ums Suchen, Verlieren und Wiederfinden der Liebe. Am Mittwoch informiert ein Paartherapeut über „Die Masken der Paare und welche Gefühle sie verbergen“. Am Donnerstag verraten Experten unter dem Titel „Lieben, streiten, versöhnen“, was glückliche Paare richtig machen. Dabei sollen die Besucher auch Tipps und Tricks erhalten, wie ihre Beziehung lebendig bleibt. Dies könnte auch für Homo-Paare gelten, die Pfarrer Martin Garmaier aus dem oberbayerischen Waldkraiburg ausdrücklich in seinen Gottesdienst einlädt: „Gott macht in seiner Liebe auch vor dieser Liebe nicht halt.“ Die Wiener Homosexuellen-Initiative wiederum nutzt den Segnungsgottesdienst im Stephansdom für eine Massenküsserei - vor dem Gotteshaus.
http://www.dominikaner-duesseldorf.de
http://www.maxhaus.de
VALENTINSTAG
URSPRUNG Der Valentinstag wird auf Bischof Valentin von Terni in Mittelitalien zurückgeführt, der im 3. Jahrhundert als Märtyrer ums Leben kam. Er traute trotz eines Verbots von Kaiser Claudius II. einige Verliebte und schenkte ihnen Blumen aus seinem Garten. Die Ehen, die von ihm geschlossen wurden, haben der Überlieferung nach unter einem guten Stern gestanden. Auf Befehl des Kaisers wurde er am 14. Februar 269 enthauptet.
MODERNE Im 20. Jahrhundert hat sich der Valentinstag - zunächst unabhängig von den christlichen Kirchen - als „Tag der Liebenden“ erst im englischsprachigen, dann auch im deutschsprachigen Raum durchgesetzt.
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RP vom 16.02.2009
Romantische Nacht in der Kirche
In der Dominikaner-Kirche St. Andreas in der Altstadt konnten sich Paare und Einzelne am Valentinstag auf die eigene Lebens- und Liebesgesschichte besinnen. Kerzen, Weihrauch und Musik stimmten die Besucher auf die „Nacht der Liebenden“ ein.
VON NATALIE ARNDT
Einen Liebesbrief schreiben, sich verbünden oder versöhnen, Wachstum und Vertiefung erleben, Trauer und Sehnsucht in Weihrauch aufgehen lassen oder eine „Kerze der Liebe“ anzünden, dies alles war möglich in der Dominikanerkirche Sankt Andreas am Valentinstag.
An verschiedenen Liebes-Stationen in der Kirche konnten sich Junge und Alte, Christen und NichtChristen sowie Paare und Einzelne auf die eigene Liebes- und Lebensgeschichte besinnen. Jede Station repräsentierte eine andere Erfahrung der Liebe und Freundschaft. So gab es einige Stationen, die dazu einluden über schlechte Zeiten oder gescheiterte Beziehungen nachzudenken, sowie ein Mausoleum, in dem Trauernde von geliebten Menschen Abschied nehmen konnten. Im Gegensatz dazu besinnten sich verliebte Pärchen oder lang verheiratete Paare auf die positiven Erlebnisse ihrer Liebe, wie noch mal einen Liebesbrief zu schreiben, einem Liebeslied zu lauschen oder ein Liebesbild auszuwählen. Video-Projektionen mit Bildern namhafter Künstler und Liebeslieder aus Rock- und Pop-Musik sowie ein Angebot unterschiedlicher Texte und Liebesgedichte halfen, sich zu erinnern und der Liebe im eigenen Leben nachzuspüren.
Der Weg vom Eingang der Kirche bis zum Altar war ein Weg der Gedichte, in dem Kerzen und Gedichte auf dem Boden lagen. Die 28-jährige Melanie und der 37-jährige Roland sind seit einem halben Jahr verheiratet und besuchen die Nacht der Liebenden zum ersten Mal. Sie sind begeistert und ließen sich sofort mit Weihrauch segnen. Die romantische Atmosphäre in der Kirche, die durch Kerzen und Musik eschaffen wurde, lud auch Klaudia, 50 Jahre, und ihr Mann Peter, 59 Jahre, zum Verweilen und Besinnen ein. Das Paar besucht die „Nacht der Liebenden“ schon seit mehreren Jahren und ist von der Atmosphäre begeistert.
Um 20 Uhr gestalteten Pater Paulus Engelhardt, Pater Manuel Merten und Pater Wolfgang Sieffert den Gottesdienst mit dem Thema „Mit den Füßen auf dem Boden - mit dem Herzen hoch im Himmel“.
Segen für Paare
„Die ,Nacht der Liebenden' findet dieses Jahr zum siebten Mal statt und es ist schön zu sehen, wie viele Menschen Freude daran haben sich auf ihre Liebe zu besinnen“, sagte Pater Sieffert. Der Gottesdienst wurde musikalisch begleitet von Christoph Staudinger mit Liedern wie „Wo Menschen sich vergessen“ und „Bewahre uns Gott“. Nach dem Gottesdienst konnten sich Pärchen oder Einzelne persönlich segnen lassen und hatten noch mehr Zeit die erlebten Eindrücke auf sich wirken zu lassen.
Der heilige Valentin
... lebte im 2. Jahrhundert nach Christus im damaligen römischen Reich, und seine hauptsächliche Aufgabe war es, Liebespaare zusammen zu bringen. Sein Todestag, der 14. Februar, fiel mit dem beliebten römischen Fest Lupercalia zusammen. Bei dem Jungs Lose mit dem Namen lediger Mädchen zogen, mit denen sie zusammen ausgingen.
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