Der verborgene Schatz
Kunstgeschichte. Chorraum in St. Andreas neu gestaltet. Führungen in der „Nach der offenen Kirchen“
Ursula Posny
Bisher waren sie im Tresor gestapelt, wurden nur an hohen Festtagen ans Licht geholt: die silbernen Heiligenfiguren, die mit Goldbestickten Paramente und das liturgische Gerät in der barocken Kirche St. Andreas in der Altstadt. Mehr als hundert Kunstobjekte sind hier versammelt. Ein verborgener Schatz, der zur „Nacht der offenen Kirchen“ am Samstag jetzt präsentiert wird. Zum ersten Mal in ihrer langen Geschichte zeigt die Kirche, die dem Land Nordrhein-Westfalen gehört und trotzdem kein Museum ist, ihre Kunstschönheiten in einer neuen Konzeption.
400 Jahre in den Händen
„Wie oft habe ich einen Kerzenleuchter auf den Altar gestellt, ohne zu ahnen, dass ich 400 Jahre in den Händen halte“, lächelte Dominikaner-Pater Wolfgang gestern beim ersten Rundgang. Ganz wissenschaftlich sieht Martin Seidler, Kunstsachverständiger des Generalvikariats in Köln, die neue ständige Ausstellung: „Es war aus konservatorischen Gründen bedenklich, dass die Kunstwerke bewegt wurden. Sie brauchten einen festen Platz, mussten einfach dauerhaft besser zur Geltung kommen.“
An Bemühungen hat es zwanzig Jahre lang nicht gefehlt. Dann bot die Düsseldorfer Kunsthistorikerin Inge Zacher ihre Hilfe an. Zusammen mit den Dominikanern und der Künstlerin lngrid Bussenius,die im Kölner Dom das Konzept für die Schatzkammer schuf, nahm die Entwicklung, ihren Lauf. Land NRW und Kirchengemeinde haben sie gemeinsam finanziert. Mit welcher Summe? Über Geld rede keiner gern, sagt Martin Seidler. Und lächelt ebenfalls.
Der Erfolg der Team-Arbeit ist jedenfalls überwältigend. Entstanden ist ein Altarraum, der an die Tradition früherer Epochen anknüpft. So sind die ein Meter hohen Silberfiguren von vier Jesuitenheiligen heute wieder im Chorraum zu sehen. Ingrid Bussenius hat sie in „Vitrinen“ gesetzt, die wie Glasschreine wirken. „Wichtig war die absolute Transparenz des entspiegelten Glases“, sagt sie.
Namensgeber als Silberstatue
Davor, auf eigenem Wandpfeiler, steht der heilige Andreas. Die polnische Prinzessin Anna Catharina Constantina hat die Figur 1642 als Geschenk aus Polen mitgebracht, als sie den Erbprinzen Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg heiratete. Die Kirche sei zu allen Zeiten mit Geschenken bedacht worden, erzählt Inge Zacher. Die Kostbarkeiten präsentieren sich, dezent beschriftet, vor allem in den beiden Schatzkammern auf der Empore. Eine erinnert an die Bedeutung als Hofkirche in der Regierungszeit des Kurfürsten Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg. Damals wurde die Kirche als Ort fürstlicher Repräsentation mit kostbarem liturgischem Gerät und Paramenten ausgestattet.
Schatzkammer Nummer zwei ist dem 19. Jahrhundert gewidmet, als St. Andreas Pfarrkirche wurde. Auch in dieser Zeit wurde sie mit Geschenken, diesmal aus der Gemeinde, großzügig bedacht. Viele wohlhabende Düsseldorfer bewiesen so ihre enge Verbundenheit. Zur Pfarrgemeinde gehörte der Goldschmied Carl Anton Beumers an der Bolker Straße, der mit Restaurierungen und Neuschöpfungen am Kirchenschatz beteiligt war. 1972 brachten dann die Dominikaner aus ihrem Kloster an der Herzogstraße schöne Kunstwerke mit, als sie die Seelsorge übernahmen.
In der Nacht der offenen Kirchen am Samstag gibt es um 19.30, 20.15 und 23.30 Uhr Führungen durch die neuen Schatzkammern.
Die nächste Nachmittags-Führung ist am Mittwoch, 4. Februar, 16 Uhr.
Eine Beschreibung der Schatzkammern wird vorbereitet.
Foto: Der Chorraum ist jetzt festlicher Höhepunkt in St. Andreas. Vor der Silberstatue des heiligen Andreas: Pater Antonin Walter, Martin Seidler vom Generalvikariat und die Kunsthistorikerin Inge Zacher. (Foto: Sergej Lepke)
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