Pater Antonin bei den Düsseldorfer Jonges

Das TOR vom Mai 2008

Legenden, Lieder und die „Sooß im Kümpken“

Die Fürsten, menschlich gesehen - Gespräch mit einem Schriftseller und einem Seelsorger

Johann Wilhelm II. ist historisch belegt, Jan Wellem aber eine Kultfigur. Zusammen ergibt sich ein schillerndes Bild. Düsseldorf widmet dem Thema ein ganzes Jahr. Ein paar Schlaglichter aus verschiedenen Richtungen, wobei es auch was zu Lachen gab, wurden gesammelt beim Heimatabend der Düsseldorfer Jonges am 15. April. Auch wenn die Schau des museum kunst palast den Titel „Herrlich, himmlisch, höfisch“ trägt, darf man ja Irdisches und Menschliches beitragen sowie Anekdoten. Schriftsteller Klas Ewert Everwyn, 1930 in Köln geboren, im Bergischen Land aufgewachsen, ansässig in Düsseldorf und Monheim, Verfasser von bald 30 Romanen - und Pater Walter Antonin OP, Jahrgang 1967, Diplom-Theologe und Seelsorger dort in der Altstadt, wo die Gebeine des Fürsten ruhen: Beide trafen sich auf dem Podium der Jonges zum Gespräch mit Torredakteur Werner Schwerter.

Everwyn hat gerade eine Jan Wellem-Novelle verfasst, kennt sich aber auch mit Herzog Wilhelm aus, der vor 600 Jahren gestorben ist. Mit einer neuen Medaille als Ehrengabe und Vergabe ihres Wissenschaftspreises 2007 an den Historiker Axel Kolodziej haben die Jonges, wie mehrfach berichtet, auch an jenen Landesherrn und Wohltäter der Stadt erinnert. In seinem Roman „Der Fischer von Hamm und die Herzogsfehde“ (Droste Verlag, 2005} hat Everwyn beschrieben, wie jener vom eigenen Sohn in Geiselhaft genommen worden ist. Skandalös und spannend.

Zeitsprung zu Jan Wellem. Erste Legenden um ihn wurden von den Jesuiten gestrickt, nun pflegen und verehren die Dominikaner sein Grab, meinte der Moderator. „Pflegen ja, verehren aber nicht - das ist etwas anderes“, korrigierte Pater Antonin freundlich lächelnd. Überhaupt hat sich in Jahrhunderten viel geändert. Jan Wellem, obgleich katholisch, hat Krieg geführt gegen den Erzbischof von Köln, dessen heutiger Nachfolger, also Kardinal Meisner, in Düsseldorf das Jan-Wellem-Jahr eröffnet hat.

Wie treu war er eigentlich?

Die Jonges singen immer zum Abschluss ihrer Abende nur die ersten drei von sechs Strophen ihres Heimatliedes, also die vierte nicht, wonach Jan Wellem stets fest, trutzig und treu zur Heimat gestanden habe. „Wäre er woanders König geworden, wäre er weggegangen“, sagte der Redakteur. „Beständig war nur sein Denkmal - und dieses ist, stellvertretend für den Fürsten, erst viel später zum Symbol der Heimat geworden.“ Everwyn sang den Jonges ein Volkslied vor, das in seinem Buch den Fürsten in der Wirtschaft „En de Canon“ aufmuntert beim Zechen und das ihn sogar auf dem Sterbebett tröstet: „Solang mir noch Sooß im Kümpken han, solang sin mir och kein armer Mann. Un mir han noch Sooß im Kümpken.“ So sei die Kunde in die Stadt gegangen, „Seine kurfürstliche Durchlaucht gefalle sich im Gebrauch der platten Düsseldorfer Sprache“, heißt es in Everwyns Buch. Setzt der Dichter, obgleich kritisch, nun an die Stelle von alten fraglichen Legenden seine eigenen neuen? Everwyn: „Legenden entspringen nicht der Wahrheit, sondern den Wünschen derer, die sie verbreiten.“

Glanz und Herrlichkeit, neu poliert und präsentiert

Kunstschatz aus Tresoren geholt - Ausstellung und Buch zur Geschichte

/ Hier bekommen Sie weitere Informationen über die Publikation „St. Andreas. Die Hofkirche und ihre Schätze“. /

Adelige Damen haben der Kirche Ringe und Ohrgeschmeide geschenkt, die dann Monstranzen zierten. Auch Braut- oder Festkleider, die zu Messgewändern umgeschneidert wurden. Die Herren besorgten Reliquien, für die Gold- und Silberschmiede kostbare Gefäße schufen. Oder sie erfüllten durch Stiftungen ihre Gelübde. Zu besonderen Anlässen gab es exquisite Geschenke, bei denen das Lob Gottes und die Unterstützung der Kirche einhergingen mit der Repräsentation und Festigung eigener irdischer Macht.

Kardinal sieht auch Schattenseiten

So hat sich in der Sankt-Andreas-Kirche, ehemals Hofkirche der Pfalz-Neuburger Dynastie und deshalb Grabstätte auch für Johann Wilhelm II., seit den Zeiten seines Großvaters, des Pfalzgrafen Wolfgang Wilhelm, ein Schatz angesammelt. Der gehört übrigens juristisch heute dem Land Nordrhein-Westfalen, weil es Rechtsnachfolger des Staates Preußen ist, der einst im Zuge der Säkularisation die Kirche enteignet hat. Zum Jan-Wellem-Jahr wurden die Prunkstücke teilweise restauriert, wissenschaftlich neu untersucht und zu einer Ausstellung arrangiert. Die Öffentlichkeit erfährt staunend, was in Tresoren geschlummert hat. Aufschluss und Überblick gibt mit fundierten Beiträgen und bebildertem Inventar ein Prachtband, der im Grupello Verlag erschienen ist.

Eingangs erinnert Joachim Kardinal Meisner an die Nähe der Licht- und Schattenseiten im Leben Jan Wellems, das „bei allem Glanz die letztendliche Begrenztheit menschlichen Daseins“ zeige. Mit dem Kardinal und einem Festgottesdienst wurde am 19. April in St. Andreas der offizielle Beginn des Jan-Wellem-Jahres gefeiert. Für den weiteren Verlauf haben die Dominikaner, die seit 1973 das einst jesuitische Gotteshaus als Pfarrkirche betreuen und das Konzept „Offene Kirche“ pflegen, ein Programm erarbeitet, das mit Vorträgen, Führungen und Konzerten das ganze Jahr begleitet. sch-r

Ausstellung: „Kurfürst Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg und die Schatzstücke der Hofkirche St. Andreas.“
Geöffnet bis 30. November jeweils mittwochs,
donnerstags und samstags 15 bis 17.30 Uhr,
freitags 16 bis 18 Uhr, sonntags 14 bis 16 Uhr.
Führungen jeweils montags, 15 Uhr.
Buch: „St. Andreas in Düsseldorf - Die Hofkirche und ihre Schätze.“
Grupello Verlag, 256 Seiten, ca. 180 farbige Abbildungen, 29,90 Euro.


 

„St. Andreas. Die Hofkirche und ihre Schätze“

Hier bekommen Sie weitere Informationen über die Publikation!