Streetwork: „Wir sorgen für eine gute Atmosphäre“

WZ vom 20.3.2008

 

Weitere Pressenotizen zu diesem Thema finden Sie im Pressespiegel der Altstadt-Armenküche: http://www.armenkueche.de>

 

INTERVIEW

Pater Wolfgang setzt auf Versöhnung und bietet an, Mitarbeiter des OSD schulen.

Sie wurden als erste Streetworker nur für die Altstadt eingesetzt, sollen nun aber das Feld räumen. Diese schlechte Nachricht erreichte die Mitarbeiter der Hilfeeinrichtung „Axept“ kurz vor Start der Osterferien. Wie die WZ berichtete hatte das Sozialamt den Politikern einen Beschluss vorgelegt, welcher die Streichung der beiden Axept-Stellen empfiehlt.
Zu unbequem sollen die Mitarbeiter sein, sich zu oft mit dem OSD angelegt haben. Konkrete Beispiele blieb das Amt bis heute schuldig. Und auch die Politik fühlte sich überrumpelt. Die Abstimmung wurde bis auf weiteres aufgeschoben, die Fraktionen erbaten sich Zeit für eine eingehende Beratung. Pater Wolfgang, Dominikaner und Geschäftsführer des Vereins Armenküche, welcher für Axept zuständig ist, wundert sich über die diffusen Vorwürfe.

WZ: Pater Wolfgang, sind Sie ein kooperativer Typ?
Pater Wolfgang: Kooperativ ist so ein Wort... Nun, ja. Das kommt ganz darauf an. Ich bin nicht kooperativ, wenn es darum geht, bestimmte Leute aus der Altstadt zu entfernen.

WZ: Welche Aufgabe hat Axept?
Pater Wolfgang: Wir erfüllen den Auftrag, den uns die Politik vor acht Jahren erteilt hat. Und der sagt, dass wir in der Altstadt Kontakt halten zu Menschen, die teilweise oder ganz auf der Straße leben, zu Gastronomen und Anwohnern. Und dass wir bei Konflikten vermitteln sollen.

WZ: Konflikte gibt es angeblich vor allem mit dem OSD. Woran liegt das?
Pater Wolfgang: Der OSD hat eine andere Aufgabenstellung als wir. Er soll Leute, die in seinen Augen stören, der Altstadt verweisen. Axept ist hingegen da, um den Menschen auf der Straße zu helfen und zu einem gedeihlichen Miteinander und einer guten Atmosphäre beizutragen. Das erzeugt ein natürliches Spannungsverhältnis zwischen Streetwork und OSD.

WZ: Der OSD setzt die Straßenordnung um. Das kommt für Sie doch nicht überraschend.
Pater Wolfgang: Nein, natürlich nicht. Wenn es zu vermeidbaren Belästigungen oder Schlimmerem kommt, soll das keinesfalls geduldet werden. Aber eben nur dann und ohne Ansehen der Person. Es kann nicht sein, dass tagsüber Menschen, die Alkohol trinken, als störend empfunden und der Altstadt verwiesen werden, obwohl sie niemanden behindern, während die vielen Betrunkenen nachts angeblich kein Problem sind. Diese Ungleichheit darf nicht sein. Die Straßen der Altstadt sind für alle da.  Pater Wolfgang fordert in der Altstadt gleiches Recht für alle. Auch Obdachlose müssen sich hier aufhalten können: in den Grenzen, die für alle gelten.

WZ: Die Klientel von Axept ist nicht gerade pflegeleicht.
Pater Wolfgang: Wenn es Stress zwischen den Obdachlosen und dem OSD gibt und wir davon erfahren, versuchen wir, das sofort zu klären. Aber wir bekommen oft keine Rückmeldung vom OSD.

WZ: Was muss sich ändern?
Pater Wolfgang: Wir müssen eine konstruktive Lösung finden. Wir würden etwa anbieten, an den Schulungen der OSD-Mitarbeiter teilzunehmen, um das Hilfesystem und unsere Arbeit zu erklären. Gut wäre auch, wenn wir diejenigen OSD-Kollegen, die in der Altstadt eingesetzt werden persönlich kennen würden, vielleicht sogar Telefonnummern austauschen, dass man sich kurzfristig erreichen kann.

WZ: Angeblich gibt es zu viel Hilfen in der Altstadt und zu wenig in den Stadtteilen. Sprechen sich nicht alle Streetworker ab?
Pater Wolfgang: Doch natürlich. Wir treffen uns regelmäßig und erstellen zusammen einen Plan für die gesamte Stadt. Das war noch nie ein Problem.

HILFE IN DER ALTSTADT

WOLFGANG SIEFFERT
Der Dominikaner (St. Andreas) engagiert sich für die Armenküche, arbeitet als Gefängnisseelsorger und leitet die Hilfsorganisation Axept. Er ist Ringer und trainiert beim Tus Gerresheim und wurde 2007 Rheinlandmeister im griechisch-römischen Stil.

AXEPT
Die Hilfseinrichtung wurde vor acht Jahren ins Leben gerufen. Die Mitarbeiter, die von der Stadt bezahlt werden, kümmern sich um obdachlose Menschen in der Altstadt und sind dort auch Ansprechpartner für Anwohner und Geschäftsleute.

Das Gespräch führte Sema Kouschkerian
Foto: Nanninga