Ein super Schwergewicht
RINGEN. Seit 38 Jahren kämpft Dominikaner-Bruder Wolfgang Sieffert auf der Matte um jeden Punkt.
Ein Ausgleich zur Arbeit.
von SIMONE THIES
Warum er Ringer wurde? „Handball war mir zu brutal“, entgegnet Dominikaner-Bruder Wolfgang Sieffert gut gelaunt. Und erinnert sich zurück. Damals, mit gerade mal zwölf Jahren und einer eher schmächtigen Statur, fühlte er sich auf dem Handballfeld nie richtig wohl („So als Kleiner...“). Auf der Ringermatte hingegen, da konnte er sich ordentlich austoben: „Mann gegen Mann. Das fand ich toll.“
Heute, 38 Jahre später, hat sich an der sportlichen Motivation des Geistlichen, der in Düsseldorf von allen liebevoll „Pater Wolfgang“ genannt wird, nicht viel geändert: „Das Ringen gibt mir einen Ausgleich zu meiner Arbeit. Und ich liebe diesen Adrenalinkick vor jedem Kampf.“
Das Kribbeln im Bauch
Auch daran hat sich in fast vier Jahrzehnten Ringen nichts geändert. „Das fängt schon samstagnachmittags an. Wenn ich abends auf die Matte muss, bekomme ich immer dieses Kribbeln im Bauch“, freut sich Sieffert über die Beständigkeit des Lampenfiebers. Geändert hat sich lediglich sein Gewicht. In der Saison 1971 startete der damals 14-jährige Wolfgang erstmals bei den Erwachsenen in der Gerresheimer Ringerstaffel. Seinerzeit war er noch - je nach dem, in welcher Klasse ein Mann gebraucht wurde - ein Papier- (48 Kilo) oder Fliegengewicht (52 Kilo).
„Heute gehöre ich zu den Superschwergewichten“, lacht Sieffert und packt sich mit beiden Händen an den Bauch, den im Berufsalltag das cremefarbene Ornat der Dominikaner umschmeichelt.
In all den Jahren, in denen sich der Gefängnisseelsorger vom Papier- zum Superschwergewicht entwickelte, errang er zahllose Siege. Kämpfte während seines Studium drei Jahre für Fribourg in der 1. Schweizer Liga und danach fünf in der deutschen 2. Bundesliga. „Im Noviziat musste ich allerdings ein Jahr pausieren“, beginnt er von einer Phase in seinem Leben zu erzählen, die den Zuhörer in eine andere Zeit entführt, einen Hauch Mittelalter verströmt. Klosterleben anno dazumal. „Das ist heute aber alles anders. Wir hatten damals ja noch nicht einmal einen Hausschlüssel“, erinnert sich Sieffert an seine Zeit als Novize.
Als diese beendet war, zog es den jungen Ordensmann ziemlich schnell zurück auf die Matte. Denn schon damals war Sieffert klar: „Dieser Sport ist mein körperliches Ventil. Er erdet mich komplett.“
Und hält ihn ferner körperlich so fit, dass der 50-Jährige während des Trainings mal eben aus einer Rolle rückwärts in den Handstand geht und es danach kampfeslustig und mit einem Augenzwinkern mit seinem Trainer Ejup Shabani aufnimmt. „Komm schon, los! Auch du musst trainieren“, neckt er den 27-Jährigen. Der lässt sich nicht lange bitten und legt den Pater mit einer gekonnten Kombination aufs Kreuz. Zack!
Mit fast schon beneidenswertem Elan schwingt sich Sieffert nach dem Fall wieder auf die Beine. Jetzt steht Technik für die Nachwuchsringer auf dem Trainingsplan.
Den Kindern Mut machen
„Du musst den Gegner erst an den Schultern anreißen. Und wenn er dann kommt - und damit rechnet er nicht - zurück schieben und ran ans Bein“, erklärt Sieffert seinen zwanzig Jahre jüngeren Mannschaftskollegen Alex und Zabari. Und die schätzen die Erfahrungen ihres Teamseniors sehr. Der ist zwar eigenen Angaben nach „nie ein großer Techniker geworden“, dafür hat er eine stattliche Palette an Tricks und Kniffen auf Lager.
Und die gibt er gerne weiter. Vor allem an die junge Generation. „Ich möchte gerade Kindern und Jugendlichen Mut machen, diesen tollen Sport zu betreiben“, fügt Wolfgang Sieffert einen weiteren Grund hinzu, der ihn am Ringen festhalten und nach wie vor beim TuS trainieren lässt. Jeden Freitag. Punkt 20 Uhr. Außerdem „ist das Bier nach dem Training das beste Bier der ganzen Woche“, schmunzelt Sieffert.
Und wie steht's mit der Brutalität, die ihn beim Handball so geschreckt hat? „Ringen ist ein fairer Sport. Mann gegen Mann. Und doch ist jeder Sieg, den du auf der Matte erkämpfst, ein Sieg für die Mannschaft“, weiß das bärtige Superschwergewicht. Und für seinen TuS Gerresheim wird er solange weiter ringen, wie die Knochen mitmachen.
Bildzeilen:
(oben) Strahlemann: Eine gute Figur macht Wolfgang Sieffert im Ringerdress von TuS Gerresheim und als Dominikaner-Bruder. (Fotos: Helmut Müller/Sergej Lepke)
(unten) Temperamentvoll am Mattenrand: Auch als Betreuer der TuS-Ringer "kämpft" Wolfgang Sieffert immer mit. (Foto: Helmut Müller)
TUS GEHT MIT KONKORDIA AUF DIE MATTE
Düsseldorfs einziger Ringerverein, derTus Gerresheim, bildte in dieser Saison gemeinsam mit dem KSK Konkordia Neuss ein Team in der Bezirksliga West. Die bisherigen Heimkämpfe fanden in Neuss statt. In der jüngst gestarteten Rückrunde ringen die Sportler nun auf Düsseldorfer Matten um Punkte und Siege. In der Kampfgemeinschaft gehören die Gerresheimer Ringer - darunter auch Wolfgang Sieffert-zu den "schweren Jungs" in den drei oberen Gewichtsklassen bis 84, bis 96 und bis 120 Kilo. Die Neusser Nachwuchstalente besetzen die leichteren Klassen. In der Tabelle der Bezirksliga West rangiert das Neuss-Düsseldorf-Team derzeit auf dem sechsten Rang. Von insgesamt sieben Kämpfen konnten bislang zwei gewon
nen werden. Fünf gingen an die gegnerischen Mannschaften.
Der zweite von vier Heimkämpfen steht kommenden Samstag, 27. Oktober, an. Gegner ist derTabellensiebte TKVHückelhoven.
Die Schülerkämpfe beginnen um 19 Uhr in der Turnhalle am Alten Amtsgericht an der Heyestraße. Beginn des Liga-Kampfes ist um 19.30 Uhr.
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