Mausoleum und SarkophageRP vom 16.8.2007 |

Der Kurfürst unter der LupeIm Mausoleum der Andreaskirche begutachtet Restauratorin Susanne Conrad vom Rheinischen Amt für Denkmalpflege derzeit die Särge der Familie Jan Wellems. Ihre Oberflächen werden gereinigt, damit zum Jubiläum im nächsten Frühjahr das Mausoleum wieder glänzt.
Zentimetergenaue Grundlagenforschung: Restauratorin Susanne Conrad bei der Arbeit am Sarg Jan Wellems in der Andreaskirche Der Sarkophag wird Gabriel de Grupello zugeschrieben. Rp-Foto: Andreas Bretz VON FRANK VOLLMER Wie es drinnen im kurfürstlichen Sarg aussieht - darüber kann auch die Fachfrau nur spekulieren. Susanne Conrad vom Rheinischen Amt für Denkmalpflege in Pulheim untersucht zwar Fan Wellems Sarkophag derzeit genau, aber auf die Gebeine des 1716 verblichenen Potentaten wird auch sie keinen Blick werfen dürfen. "In dem Zinn-Blei Sarg soll noch eine Bleikiste stecken", erzählt Conrad. "Und angeblich ist der Leichnam darin mumifiziert." Angeblich. Denn alles Weitere ist Legende: Seit 1935 wurde Jan Wellems Sarg nicht mehr geöffnet. Spuren einer Vergoldung Susanne Conrad bewegt sich dagegen auf sicherem wissenschaftlichen Boden. Die Restauratorin beschaut jeden Quadratzentimeter der Särge im Mausoleum der Andreaskirche. Denn bei der Renovierung der Gruft mussten die acht Särge ihre Nischen verlassen und in der Mitte unter dem Gerüst zusammenrücken - wobei auffiel, dass Jan Wellems Sarg Spuren von Vergoldung aufweist. An der Hinterseite, die der Wand zugekehrt ist. Der Rest des Überzugs ist über die Jahrhunderle unsachgemäßer Behandlung und schlechter Pflege zum Opfer gefallen. Grund genug für die Dcnkmalpfleger, sich den Kurfürsten genauer anzusehen. Das ist echte Grundlagenarbeit: Viele Angaben über die Särge entpuppten sich als schlicht falsch, sagt Conrad. Mit Lupe, Skalpell und Lösemittel rückt die 41-jährige Metallspezialistin Seiner Durchlaucht auf die Pelle, einige Ecken hat sie schon freigeschabt, um an das Metall heranzukommen. Ziel: den Zustand des Sarges zu verzeichnen und ei nen Plan für eine Oberflächenreinigung zu erarbeiten, damit zu Jan Wellems 350. Geburtstag im nächsten Frühjahr die Grablege wieder glänzt. "Der Sarg des Kurfürsten mit den vielen Verzierungen dürfte das schwerste Stück Arbeit werden", vermutet Conrad. Die Kosten würden wohl in die Zehntausende gehen. Susanne Conrad wird die Reinigungsarbeiten fachmännisch begleiten. Den Schimmelbefall im Mausoleum haben bereits die Arbeiten im Frühsommer beseitigt, der neue Anstrich ist trocken, statt muffig riecht es nur nach dem frischen Holz der Paletten, auf denen die fürstlichen Sarkophage noch ruhen. Fehlen nur noch die Sarge selbst, allen voran der von Jan Weilern. Auf der Rückseite trägt der Totenschrein die römische Jahreszahl 1717. Zugeschrieben wird die Arbeit Gabriel de Grupello. der auch Jan Wellems Reiterstandbild vor dem Rathaus schuf. Mit allem Pomp propagiert der Sarg den kurfürstlichen Ruhm über den Tod hinaus: Über wuchtigen Löwentatzen kündet eine lateinische Inschrift von den Verdiensten des Herrschers. Hin Relief zeigt Jan Weilern lorbeergekrönt, ein Medaillon mit vollbeladenen Rheinschiffen feiern den Wohlstand seines Düsseldorf, Und eine teilweise Neuvergoldung des Sarges, um den ursprünglichen Zustand wiederherzustellen? Susanne Conrad winkt bescheiden ab: "Das macht man heute nicht mehr. Wir wollen nur den Status Quo möglichst gut erhalten." INFO: Das MausoleumIn der Gruft der Andreaskirche ruhen Mitglieder des Hauses Pfalz-Neuburg. Außer Johann Wilhelm, genannt Jan Wellem (1658-1716), liegen dort sein Großvater Wolfgang Wilhelm (1578-1653) und die erste Frau seines Vaters, Anna Katharina Konstanze (1619-1651), Jan Wellems Bruder Friedrich Wilhelm (1665-1689), seine Schwestern Maria Adelheid Anna (1656), Maria Sophia Elisabeth (1657-1658) und Leopoldine Eleonore Josepha (1679-1693) und eine unbekannte polnische Prinzessin. |