Presse
RP vom 03.06.2006

Andreaskirche: Abstecher lohnt

Das barocke Gotteshaus will mehr als ein Raum für Messfeiern sein. Ausruhen, Kunst genießen, Gespräche übers Leben führen gehören zum Programm der „Offenen Kirche". Vor 15 Jahren setzten die Dominikaner dieses Konzept in die Wirklichkeit um.

VON MICHAEL BROCKERHOFF

Die Einladung an den Erfurter Bischof Joachim Wanke lag auf der Hand: Er ist eine Art Pate für die Düsseldorfer Andreaskirche. Denn Wanke hatte im Erfurter Dom, mitten in der wenig christlichen Hauptstadt Thüringens, gezeigt, dass Kirche nicht nur gläubige Menschen, sondern alle ansprechen soll. Diese Idee übertrugen die Düsseldorfer Dominikaner auf die Andreaskirche, machten sie vor 15 Jahren zu einer offenen Kirche. Mit Erfolg: „In der Andreaskirche ist es bunter geworden", bilanziert Pater Wolfgang Sieffert, der das Projekt von Anfang an begleitet hat.

Allzu schwer war das Öffnen der Kirche nicht. „Wir hatten gute Grundlagen. Die Predigten der Dominikaner zogen Menschen aus ganz Düsseldorf an, die Kirchenmusik war bekannt, die barocke Architektur staunenswert", erinnert sich Pater Wolfgang. Aber alles war nur auf die Pfarrgemeinde ausgerichtet, die Kirche mitten in der lebendigen Altstadt abgeschottet.

Als dann 1991 die Türen täglich von 8 bis 18.30 Uhr offen standen, machten immer häufiger Passanten einen Abstecher in die Kirche. „Der Besucher der Altstadt, der sich mal ausruhen will, gehört dazu ebenso wie der Tourist, wie der kunsthistorisch Interessierte, wie der Beter oder auch der Obdachlose, der schlafen will", berichtet Prior Johannes Bunnenberg. Diese Mischung aller Schichten sei gewollt, weil sie das Bild der Stadt widerspiegele - Problemgruppen nicht ausgeschlossen. Jeden Nachmittag stehen Brüder der Dominikaner und ehrenamtliche Helfer als Ansprechpartner zur Verfügung. „Aus zwanglosem Geplauder wird dann häufiger ein ernstes Gespräch", berichtet Bunnenberg.

Dabei bekommen die Dominikaner auch viele Anregungen für die Offene Kirche. So wurde beispielsweise die Frühmesse auf den Mittag verlegt - und hat jetzt täglich 50 bis 90 Besucher. Ausstellungen mit Kunstwerken, Konzerte am Sonntag gibt es regelmäßig Zum Valentinstag wurde eine Nacht der Liebenden veranstaltet, im November eine Nacht der Trauer. „Wir wollen an die Lebenssituationen der Menschen anknüpfen", so die Patres. Da sind sie einer Meinung mit Bischof Wanke. Eine Kostprobe der Angebote gibt es in der Jubiläumswoche, die morgen beginnt.