Essen für Arme und Reiche
Open Air der Altstadt-Armenküche 2005 in der NRZ

Aus NRZ 6.62005        (Hier geht's zu RP und WZ-Artikel)

Voller Einsatz für die Armen

OPEN-AIR / Seit 13 Jahren kochen ehrenamtliche Helfer in der Altstadt für Bedürftige täglich 80 bis 150 Mahlzeiten

MIRKO KAISER

Pater Wolfgang spielt wie der Teufel. Er schwitzt und arbeitet mit seinem kräftigen Körper, bläst den Blues auf der Mundharmonika. Thomas Mühlenbein, Gitarrist des Trios „Die drei Köbesse“ begleitet den Dominikaner mit dem dunklen Bart und der weißen Soutane. Voller Einsatz für die Armen. Seit 13 Jahren. Und beim achten Open Air der Altstadt-Armenküche auf dem Marktplatz vor dem Rathaus. Es ist Samstag. Das Wetter hält, und Pater Wolfgang röhrt mit seinem Bass quer über den Platz, lockt Altstadtbummler ebenso wie holländische Touristen zu Erbsensuppe und Altbier. „Heute essen alle zusammen. Alle: Arme, Reiche und die dazwisehen. Jeder zahlt, was er kann.“ Viele können gar nicht.

Etwa 1000 Portionen Erbsensuppe wurden am Samstag aufgetischt (Foto: Winfried Göllner)

„Ich habe die Augen aufgemacht“

Im Jahr 1992 gründete Pater Wolfgang Sieffert gemeinsam mit ändern Ordensleuten die Altstadt-Armenküche und den Verein mit gleichem Namen. Warum? „Weil ich die Augen aufgemacht habe“, sagt der Bruder. Immer wieder hatte er Menschen in der Altstadt gesehen, die schon am Morgen „ihre letzte Doppelstulle aufgegessen hatten“. Vor ihnen lag ein Tag ohne warme Mahlzeit.

Anfang September kochten zwanzig Ehrenamtliche für 60 Hungrige an der Ritterstraße. Schnell wurde aus der Armenküche ein kleiner Betrieb. 1993 zogen die Helfer in die Räume am Burgplatz 3 ein. Heute kochen hier täglich 60 Helferinnen und Helfer im Wechsel 80 bis l50 Mahlzeiten, die satt machen: Spaghetti Bolognese. Heringsstipp oder Reis mit Putenleberragout. „Immer super lecker“, findet Punk Steffo und krault den Flaum an seinem Kinn. Dann vergibt er noch einen Minuspunkt: „Die Hunde müssen draußen bleiben.“

An den Tischen auf dem Marktplatz lassen es sich immer mehr Menschen schmecken. Solange es dauert, eine Erbsensuppe zu essen, sitzt die Frau mit der Chanel-Sonnenbrille neben dem Mann mit dem verfilzten Bart, der seine ganze Habe in drei Plastiktüten zwischen seine Füße gestellt hat.

Viele Privatpersonen, kirchhliche Verbände und Gemeinden spenden der Altstadt-Armenküche. Mal gibt es großzügige Einzelaktionen, bei Geburtstagen oder einer Karnevalssitzung. Außerdem erhält der Verein Lebensmittelspenden von Bäckern, Großmarkthändlern und der Düsseldorfer Tafel. Pater Wolfgangs Fazit nach 13 Jahren: „Wenn es mal eng wurde und wir das gesagt haben, hat immer jemand geholfen.“

Heute helfen Prominente: die TV-Schauspielerin Nadine Seiffert steht an der Schöpfkelle. Gemeinsam mit drei Kollegen von der Komödie sammelt sie Spenden. Die blonde Dastellerin lobt die Frauen und Mäner der Armenküche: „Ich finde es toll, dass es euch gibt.“ Da nicken Arme, Reiche und die dazwischen gemeinsam hinter dem Suppenteller.