Pfadfinder und Weltjugendtag
Westdeutsche Zeitung, Montag, 15. August 2005

Die erste Tour: Mit Kinderrad nach Altenberg

Einmal Pfadfinder, immer Pfadfinder. Für Pater Wolfgang ist es eine Bindung auf Lebenszeit. Der Dominikaner will das Welttreffen in Oberkassel besuchen.

Von Sema Kouschkerian

Dominikanerpater Wolfgang Sieffert war acht Jahre alt, als er zur Pfadfinderschaft St. Georg stieß. Alle seine Brüder und die beiden jüngsten Schwestern waren Mitglied. Dass auch Wolfgang Clement, Stadtdechant Rolf Steinhäuser und Harald Schmidt dem katholischen Jugendverband einmal angehört haben, bedeutet dem Dominikaner persönlich nichts. Umgekehrt ist er aber fest davon überzeugt, dass jeder, der einmal dabei war, in gewisser Weise eine Bindung auf Lebenszeit eingegangen ist. Einmal Pfadfinder, immer Pfadfinder.

"Die erste Tour", erinnert sich Wolfgang Sieffert, "ging nach Altenberg. Mit dem Fahrrad. Es hat ewig lange gedauert, bis wir ankamen. Wir hatten ja nur kleine Kinderräder, und andauernd ging eines kaputt." Die Leiter mussten eine unglaubliche Geduld aufbringen. "Niemand von uns konnte kochen, keiner konnte den Knoten." Und ohne den geht im Pfadfinderlager rein gar nichts. Seine wichtigste Funktion erfüllt er beim Zeltaufbau. Wenn der Knoten nicht stimmt und jemand über die Leine stolpert, leidet die ganze Konstruktion: Die Spannung lässt nach, das Zelt wird undicht, und bei Regen hat man ganze Heerscharen von erkälteten Kindern zu pflegen. "Ist alles passiert", sagt der Pater.

Während manche Mädchen und Jungen nach solchen Erfahrungen die Nase gestrichen voll hatten vom freiheitlichen Leben an der frischen Luft, blieb der Dominikanerpater dabei: "Ich fand es spannend, mein Zelt selbst aufzubauen und draußen zu schlafen. Das ist für kleine Jungen doch ein echtes Abenteuer." Später, als Jugendlicher, fuhr Pater Wolfgang nach Tschechien, Frankreich, England und Dänemark. "Learning by doing ist ein tolles und anregendes Prinzip", sagt er. "Ich habe die Erwachsenen nie als Personen erlebt, die uns Kinder oder Jugendliche bevormunden wollen, sondern als Menschen, die einem viel ermöglichten." Der Ordensmann lächelt. "Als es um die ersten Liebeleien ging, waren die Gruppenleiter wichtig."

Später übernahm er selbst Verantwortung für die Jüngeren. "Ich habe am liebsten mit Jugendlichen gearbeitet, weil sich da so viel entscheidet." Eine schwierige Phase habe er während seiner Zeit in Bottrop erlebt, da war er bereits Dominikanerpater. "Ich hatte zwei Jungs, die sich in die Skin-Richtung bewegten, mit rassistischen Sprüchen und allem, was dazu gehört. Das war nicht nur für mich schwierig, sondern für die ganze Gruppe. Aber wir waren zwei sehr stabile Leiter und konnte die Jungs wieder zurück holen."

Bis vor fünf Jahren war Pater Wolfgang aktiver Pfadfinder. Beendet soll diese Karriere nicht sein. "Ich muss das unbedingt wieder beleben." Mit der Gruppe, der er Ende der 70er-Jahre angehörte, trifft er sich noch heute. "Einmal im Jahr fahren wir alle zusammen ein Wochenende weg." Wenn es seine Arbeit in St. Andreas und als Seelsorger in der Ulmer Höh' zulässt, will er während der Woche des Weltjugendtages auf jeden Fall "mal rüber fahren". Er überlegt kurz. "Das gehört wirklich so zu mir."

aus: WZ, 15.08.2005, Sema Kouschkerian

   

Pater Wolfgang war und ist Pfadfinder: links der Dominikaner wie man ihn heute kennt, und hier oben auf Ausflugstour 1975 (2. v.l.).
Fotos: Nanninga/privat