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Gottes große Taten verkünden
Text der Predigt von P. Emmanuel Renz OP
in der Fernsehmesse Pfingstsonntag 19. Mai 2002
"Da erhob sich urplötzlich ein Rauschen vom Himmel her". Mit diesen Bildern ist das Wunder von Pfingsten beschrieben. "Vom Rauschen des Sturmwindes" und von "Feuerzungen", die sich auf jeden niederlassen, wird da gesprochen.
Und wer da ein Gespür hat für die Gewalt der Bilder, die die Bibel hier gebraucht, der weiß: Wo Gottes Geist sich niederlässt, da ragt die Ewigkeit in die Zeit hinein; der weiß auch, dass es stürmt und rauscht, wo der Himmel die Erde besucht. Da fällt etwas in Menschenherzen und in Menschengewissen, und da leuchtet, da brennt etwas mit verzehrender Feuerkraft.
Worauf es bei diesen Worten ankommt, ist dies: dass etwas vom Himmel her geschah. Nicht Menschen haben sich künstlich erhitzt, nicht die Jünger haben sich gegenseitig durch ihre Begeisterung angesteckt. Nein, schnell wie ein Blitz aus heiterem Himmel geschah dieses Brausen.
Dem hl. Paulus ist es vor den Toren von Damaskus nicht anders ergangen: Urplötzlich, wie ein Blitz aus heiterem Himmel, hat Gott ihm da den Weg verlegt.
Und wo immer Gottes Geist sich in ein Menschenherz niederlässt, da ist das ein Überraschungsmoment, dass man nur darüber staunen kann. ABER es geschieht, wo, wann und wie es Gott gefällt.
"Zungen wie von Feuer ließen sich auf jeden Einzelnen von ihnen nieder."
Wo sich der Geist Gottes niederlässt, da gibt es keine Massensuggestion. Der Hl. Geist rauscht nicht bloß über die versammelte Menschenmenge dahin. E packt jeden einzelnen ganz persönlich.
Er ließ sich herab auf die im Abendmahlsaal versammelten Männer und Frauen. Diese beten und warteten auf Gottes Geist. Sie wussten, dass sie Gottes Geist nicht herabzwingen konnten, auch nicht durch das Gebet.
Als die Leute den Petrus fragten, was sie tun sollten? Da sagte er in seiner Pfingstpredigt: "Tut Buße, glaubt an den Herrn Jesus lasst euch taufen, dann kann es auch für euch geschehen, dass der Heilige Geist über euch kommt."
Das ist das Wunderbare und Großartige, dass Gott jeden einzelnen Menschen für Wert erachtet, sodass er zu jedem Einzelnen kommt.
Und es ist nicht das Vorrecht der Apostel, sodass nur sie den Heiligen Geist bekommen; sondern es heißt im Text klipp und klar: auf jeden der Versammelten ließ er sich nieder. Und das waren Männer und Frauen, galiläische Fischer und einfache Landfrauen und Maria, die Mutter Jesu.
Und das ist mit dem Heiligen Geist nicht anders geworden in der Christenheit: er kommt ganz zu jedem Einzelnen.
Wir müssen den Hl. Geist unterscheiden von "seinen Gaben".
Der Heilige Geist ist "bildlich gesagt": Die Hand des lebendigen Gottes, durch die er uns packt und einen jeden einzelnen packt, wie alt er auch sein mag und welchen Beruf er auch haben mag.
Die Gaben des Hl. Geistes sind verschieden verteilt: Der eine hat die Gabe eine Diözese zu leiten und ist ein guter Bischof. Der andere hat die Gabe "predigen zu können"; ein anderer hat die Gabe, die Zukunft voraussagen zu können.
Diese Gaben sind verschieden verteilt.
Eines Tages traf Paulus einige fromme Männer und fragte sie: "Habt ihr den Hl. Geist empfangen?" Und sie sagten: Wir wissen gar nicht, dass es einen Hl. Geist gibt.
Auch für uns gibt es die entscheidende Frage: "Lebe ich im Heiligen Geist?"
"Und sie begannen in Sprachen zu sprechen!"
Die Bewohner Jerusalems sahen, wie die Männer vom Heiligen Geist gepackt wurden und anfingen zu predigen. Wo Gottes Geist die Menschen packt, da öffnet sich das Ohr, da entzündet sich das Herz, da löst sich die Zunge. Das gehört einfach zu den Taten des Heiligen Geistes dazu.
Auf einmal öffnet uns der Hl. Geist das Ohr. Mit einem Mal werden wir hellhörig. Mit einem Mal hört man in einer menschlichen Stimme der Predigt GOTTES STIMME, mit einem Mal hat es uns gepackt. Da hat uns Gottes Geist das Ohr geöffnet.
Und das brennende Herz. Die Jünger von Emmaus, denen Jesus auf dem Weg begegnet war, diese Jünger sagten: "Brannte nicht unser Herz, als er und sie Schrift aufschloss!" Wo der Geist Gottes hinfällt, da beginnt es im Menschenherz zu brennen. Da glüht eine Liebe zu Christus in uns. Da hat alle Glaubenskälte ein Ende.
"Die gelöste Zunge" ist das Wichtigste an der Pfingstbotschaft. Wo Gottes Geist einen Menschen packt, da kann dieser Mensch auf einmal von Jesus Christus sprechen. Er hat die Kraft und den Mut bekommen, um Jesus Christus zu bezeugen. Es ist ergreifend zu sehen, wie der Heilige Geist Menschen drängt, von Jesus Christus zu erzählen.
Die "gelöste Zunge" am Pfingstfest brachte es fertig, dass die Apostel sogar von Parthern, Medern und Ägyptern verstanden wurden. Auch heute ist die "gelöste Zunge" eines der Kennzeichen, ob man vom Heiligen Geist erfüllt ist oder nicht. Wo der Heilige Geist als Geschenk Jesu zu uns kommt, dort wird uns sogleich klar: ich muss von Jesus sprechen und weitersagen, was mein Herz bewegt. Dabei muss, wer dem Gott der Bibel gerecht werden will, von dieser Wirklichkeit "öffentlich" geredet werden.
Da reichen Kanzeln und Katheder allein nicht, sondern solche Rede von Gott muss gerade draußen vor der Tür, an Hecken und Zäunen, auf den Marktplätzen und in den Medien geschehen.
Komm, Heiliger Geist, wo du bist, dort ist Freiheit. Du machst mich frei vom Hass, du machst mich frei von Gefühlen der Rache.
Komm Heiliger Geist, mach mich frei für die Liebe, denn das allein zählt. Mach mich frei für die Liebe zu Gott und den Menschen. zu jedem, der mir begegnet. Amen.
P. Emmanuel Renz OP
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