ZUR PERSON:
Bartolomé de Las
Casas OP
Gegen die Unterwerfung und Ausplünderung
der Ureinwohner der sogenannten "Neuen Welt" trat im 16. Jahrhundert der
Dominikanerpater Bartolomé de Las Casas (1484-1566) auf.
Begonnen hatte Las Casas als Siedler und
Eroberer. Als Feldkaplan begleitete er das europäische Eroberungsunternehmen.
Erst 1514 vollzog der aus Spanien gebürtige Priester seine Bekehrung.
Bei der Vorbereitung seiner Pfingstpredigt stieß er auf den folgenden
Abschnitt aus dem alttestamentlichen Buch Jesus Sirach (34,25-27): "Kärgliches
Brot ist der Lebensunterhalt der Armen, wer es ihnen vorenthält, ist
ein Blutsauger. Den Nächsten mordet, wer ihm den Unterhalt nimmt,
Blut vergießt, wer dem Arbeiter den Lohn vorenthält."
In öffentlicher Predigt machte Las
Casas seinen Beschluß kund: Er verzichtete auf sein ertragreiches
Landgut und schenkte den ihm zwangsverpflichteten Indios die Freiheit.
Für Las Casas war die Entscheidung klar: Gold oder Gott. Beides zu
wollen war nicht möglich! Der Spanier wechselte die Fronten; in der
Folgezeit sollte er, der ehemalige Eroberer, zum engagierten Verteidiger
der lateinamerikanischen Ureinwohner werden.
1522 trat Las Casas in den Orden des Heiligen
Dominikus ein. Zusammen mit einer Gruppe von Dominikanern und Franziskanern
suchte er selbstverwaltete Missionsgebiete zu errichten. In diesen wollte
man eine vor allem von Sklavenjägern unbehelligte Evangelisierung
betreiben. Das bekannteste dieser Missionsprojekte ist die Dominikanerreduktion
"Verapaz" (Wahrer Friede) in Guatemala. Trotz aller Bemühungen jedoch
erlebte Las Casas unzählige Rückschläge - auch als Bischof
des mexikanischen Bistums Chiapas; größere Erfolge zur Rettung
der Indios waren ihm nicht vergönnt.
1547 kehrte Las Casas endgültig nach
Spanien zurück. Die folgenden Jahre sollten für den streitbaren
und umstrittenen, aber immer unbeugsamen Kämpfer zu einer Zeit weiterer
großer Auseinandersetzungen werden. Berühmt geworden ist sein
Streitgespräch mit Doctor Juan Ginés de Sepúlveda, einem
hochangesehenen Gelehrten und Befürworter der Indioversklavung. In
Valladolid trafen die beiden Kontrahenten aufeinander. Auf Anweisung von
Kaiser Karl V. hatte eine Schiedskommission aus angesehenen Theologen,
Juristen und Kronräten über die Rechtmäßigkeit der
jeweiligen Argumentationen zu befinden. Lange zog sich das Streitgespräch
hin; eine endgültige Entscheidung für oder gegen die eine oder
andere Position zur Indiofrage ist jedoch niemals gefällt worden.
Las Casas engagierte sich in seinen letzten
Lebensjahren vor allem in Form von schriftlichen Abhandlungen für
die Verteidigung der amerikanischen Ureinwohner. Sein wichtigstes Werk
ist die "Geschichte Westindiens", welche die historischen Ereignisse der
"Entdeckung" Amerikas behandelt. Äußerst umstritten ist eine
andere Schrift, der "Kurzgefaßte Bericht von der Verwüstung
der Westindischen Länder".
82jährig starb Bartolomé de
Las Casas in Madrid. Seine Grabstelle ist heute verschollen. Auch wenn
die römische Kirche Pater Las Casas bislang nicht offiziell heiliggesprochen
hat, so wird er doch - zumindest in Lateinamerika - hochverehrt. Als "Kirchenvater
der Befreiungstheologie" ist er bezeichnet worden.
UE
Die wichtigsten Lebensdaten:
1484 Geburt in Sevilla/Spanien
1502 Erste Reise nach Lateinamerika
(als Eroberer und Siedler)
1508? Priesterweihe in Rom
1514 Bekehrung
1522 Eintritt in den Dominikanerorden
1544 Bischofsweihe
1547 endgültige Rückkehr nach
Spanien
1566 Tod in Madrid/Spanien
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