Bartolomé de Las Casas
Zur Fernsehmesse am 16. Juli 2000

ZUR PERSON: 
Bartolomé de Las Casas OP

Gegen die Unterwerfung und Ausplünderung der Ureinwohner der sogenannten "Neuen Welt" trat im 16. Jahrhundert der Dominikanerpater Bartolomé de Las Casas (1484-1566) auf. 
Begonnen hatte Las Casas als Siedler und Eroberer. Als Feldkaplan begleitete er das europäische Eroberungsunternehmen. Erst 1514 vollzog der aus Spanien gebürtige Priester seine Bekehrung. Bei der Vorbereitung seiner Pfingstpredigt stieß er auf den folgenden Abschnitt aus dem alttestamentlichen Buch Jesus Sirach (34,25-27): "Kärgliches Brot ist der Lebensunterhalt der Armen, wer es ihnen vorenthält, ist ein Blutsauger. Den Nächsten mordet, wer ihm den Unterhalt nimmt, Blut vergießt, wer dem Arbeiter den Lohn vorenthält." 
In öffentlicher Predigt machte Las Casas seinen Beschluß kund: Er verzichtete auf sein ertragreiches Landgut und schenkte den ihm zwangsverpflichteten Indios die Freiheit. Für Las Casas war die Entscheidung klar: Gold oder Gott. Beides zu wollen war nicht möglich! Der Spanier wechselte die Fronten; in der Folgezeit sollte er, der ehemalige Eroberer, zum engagierten Verteidiger der lateinamerikanischen Ureinwohner werden. 
1522 trat Las Casas in den Orden des Heiligen Dominikus ein. Zusammen mit einer Gruppe von Dominikanern und Franziskanern suchte er selbstverwaltete Missionsgebiete zu errichten. In diesen wollte man eine vor allem von Sklavenjägern unbehelligte Evangelisierung betreiben. Das bekannteste dieser Missionsprojekte ist die Dominikanerreduktion "Verapaz" (Wahrer Friede) in Guatemala. Trotz aller Bemühungen jedoch erlebte Las Casas unzählige Rückschläge - auch als Bischof des mexikanischen Bistums Chiapas; größere Erfolge zur Rettung der Indios waren ihm nicht vergönnt. 
1547 kehrte Las Casas endgültig nach Spanien zurück. Die folgenden Jahre sollten für den streitbaren und umstrittenen, aber immer unbeugsamen Kämpfer zu einer Zeit weiterer großer Auseinandersetzungen werden. Berühmt geworden ist sein Streitgespräch mit Doctor Juan Ginés de Sepúlveda, einem hochangesehenen Gelehrten und Befürworter der Indioversklavung. In Valladolid trafen die beiden Kontrahenten aufeinander. Auf Anweisung von Kaiser Karl V. hatte eine Schiedskommission aus angesehenen Theologen, Juristen und Kronräten über die Rechtmäßigkeit der jeweiligen Argumentationen zu befinden. Lange zog sich das Streitgespräch hin; eine endgültige Entscheidung für oder gegen die eine oder andere Position zur Indiofrage ist jedoch niemals gefällt worden.
Las Casas engagierte sich in seinen letzten Lebensjahren vor allem in Form von schriftlichen Abhandlungen für die Verteidigung der amerikanischen Ureinwohner. Sein wichtigstes Werk ist die "Geschichte Westindiens", welche die historischen Ereignisse der "Entdeckung" Amerikas behandelt. Äußerst umstritten ist eine andere Schrift, der "Kurzgefaßte Bericht von der Verwüstung der Westindischen Länder". 
82jährig starb Bartolomé de Las Casas in Madrid. Seine Grabstelle ist heute verschollen. Auch wenn die römische Kirche Pater Las Casas bislang nicht offiziell heiliggesprochen hat, so wird er doch - zumindest in Lateinamerika - hochverehrt. Als "Kirchenvater der Befreiungstheologie" ist er bezeichnet worden.                                         

UE
Die wichtigsten Lebensdaten:
1484 Geburt in Sevilla/Spanien
1502  Erste Reise nach Lateinamerika 
(als Eroberer und Siedler)
1508? Priesterweihe in Rom
1514 Bekehrung 
1522 Eintritt in den Dominikanerorden
1544 Bischofsweihe
1547 endgültige Rückkehr nach Spanien
1566 Tod in Madrid/Spanien
 
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