Kirchenführungen
Die Andreaskirche in der Düsseldorfer Altstadt: es lohnt sich, dieses wichtigste Zeugnis frühbarocker Baukunst (Weihe: 1629) in der Region unter fachkundiger Leitung zu besichtigen.
Über ihre Architektur und das wundervolle Bildprogramm hinaus bietet die ehemalige Hofkirche der Pfalz-Neuburger Wittelsbacher Einblicke in die Geschichte der Stadt Düsseldorf und der christlichen Religion.
Regelmäßig finden Kirchenführungen an jedem ersten Mittwoch im Monat um 16.00 Uhr statt. (Teilnahme kostenfrei, ca. 1 Stunde) Für Führungen zu anderen Terminen setzen
Sie sich bitte mit Frau Boisserée in Verbindung.
Zu jeder Kirchenführung gehört auch der Besuch des Mausoleums, in dem u.a. die Sarkophage Herzog Wolfgang Wilhelms, des Erbauers der Kirche, und seines Enkels, des Kurfürsten Jan Wellems, zu sehen sind.
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1. In der Apsis: Darstellung der Dreifaltigkeit
2. Im
Deckengewölbe des Hauptschiffs: Darstellung der Engel, Patriarchen, Propheten und Evangelisten
3.
Heiligendarstellungen in den Deckengewölben der Seitenschiffe; hier: Hll. Dominikus, Franziskus u.a.
4. Marien-
und Anbetungsaltar, J. Wolf SJ und J. Hoen SJ, um 1650. Gemälde "Himmelskönigin" v. Deger, 1832.
5. Christusaltar von J. Wolf SJ und J. Hoen SJ, um 1650. Gemälde "Christus an der Geisselsäule", Hübner 1836.
6.
Barock-Kanzel
mit Figuren und Holzmalerei auf dem Aufgang, J. Wolf SJ und J. Hoen SJ, um 1650
7. Chorraum mit Hochaltar und Aufgang, gestaltet von Ewald Mataré, 1960.
8.
Empfangsraum
mit Eine-Welt-Laden, Büchern, Postkarten, Ansprechpartner (Durchgang zum kurfürstlichen Mausoleum)
9. Altarbild: "Martyrium des hl. Andreas", Prof. Lauenstein, 1908.
10. Sprech- und Beichtzimmer; mit Gerd Winners "Dominikus", 1994.
11.
Mausoleum mit der Grablege der Düsseldorfer Wittelsbacher.
12.
Prachtsarkophag des Kurfürsten Jan Wellem, Werkstatt Gabriel de Grupello, 1716.
13. Orgel: Gehäuse von Itter, 1790; Werk v. R.v. Beckerath, 1971.
14. Barock-Kreuz
von Gabriel de Grupello, Corpus um 1710, Kreuz erneuert.
15.Gemälde: "Kreuzigung Jesu",
Rubensschule, um 1715.
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Kurzführer
durch die Andreaskirche
Die ehemalige Hof- und Jesuitenkirche
Sankt Andreas im Herzen der Düsseldorfer Altstadt zählt - zusammen
mit der Hofkirche in Neuburg a.d. Donau - zu den "interessantesten Bauten
der ausgehenden deutschen Renaissance und des beginnenden Barocks" (S.
Schürmann).
Die stadt- und kunstgeschichtlich bedeutende
Andreaskirche entstand auf Anregung der 1619 nach Düsseldorf gerufenen
Jesuiten. Unter Herzog Wolfgang Wilhelm aus dem Hause Pfalz-Neuburg konnte
die Kirche inmitten des Dreißigjährigen Krieges in recht kurzer
Zeit (1622-1629) vollendet werden. Erweiterungen und Umbauten folgten in
späteren Jahren. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurde
das sich westlich der Kirche anschließende Jesuitenkolleg errichtet.
1708 schließlich erhielt die Andreaskirche den offiziellen Titel
"Hofkirche". Das Mausoleum fand im 19. Jahrhundert seine endgültige,
heutige Form. Im Frühjahr 1991 konnten umfangreiche Restaurierungsarbeiten
im Inneren der Kirche abgeschlossen werden.
Beim Betreten der hellen, dreischiffigen
Emporenhalle mit ihrem Kreuzrippengewölbe fallen vor allem die Stuckarbeiten
in den Deckenpartien ins Auge. Das Bildprogramm der Stuckdekorationen ist
aller Wahrscheinlichkeit nach in wesentlichen Teilen auf Herzog Wolfgang
Wilhelm selbst zurückzuführen. Formal der klassischen Spätrenaissance
entsprechend thematisieren die Stuckarbeiten die Dreifaltigkeit (Apsis)
[1], die Engel, Patriarchen, Propheten, Evangelisten und heiligen Monarchen
(Mittelschiff) [2], das "Jüngste Gericht" (hinter dem Orgelprospekt)
sowie die Heiligen der Kirche (Seitenschiffe und Emporen). Das Bildwerk
in seiner Gesamtheit stellt die "umfassende Idee der 'Kirche'" (H. Schnell)
dar. Hingewiesen sei besonders auf die Darstellungen des Heiligen Andreas
(linke Empore) und des Heiligen Dominikus [3]. In Ergänzung zu den
stuckierten Heiligendarstellungen findet man an den Seitenwänden des
Langhauses unter anderem zwölf lebensgroße Apostelfiguren; an
den Pfeilern des Mittelschiffs präsentieren sich verschiedene Heilige
des Jesuitenordens. "Alle diese Heiligendarstellungen haben nicht nur eine
dekorative Funktion, sie sind darüber hinaus Träger eines bestimmten
Programms. Der gläubige Laie ist im ganzen Kirchenraum von Heiligen
umgeben. Die Vorstellung des augustinischen Himmelsstaates 'civitas dei'
wirkt hier nach." (S. Schürmann) Die beiden Seitenaltäre mit
ihren Motiven "Maria" (von dem Düsseldorfer Maler E. Deger) [4] und
"Christus an der Geisselsäule" [5] sind Barockschöpfungen noch
aus der Entstehungszeit der Kirche. Aus gleicher Zeit (um 1650) stammt
die Kanzel [6].
Ungewöhnlich im Rahmen der barocken
Architektur ist der Hochaltar von Ewald Mataré [7]. 1960 schuf der
Künstler, Professor an der Düsseldorfer Kunstakademie, diesen
Marmoraltar einschließlich der Fenster des Chorraumes. Aus dem im
letzten Weltkrieg zerstörten barocken Hochaltar stammt das nun in
der sogenannten "Fürstenloge" (links neben dem Altarraum) [8] zu sehende
große Gemälde "Martyrium des Heiligen Andreas" [9] von Heinrich
Lauenstein (1908). Durch die "Räume der Begegnung" [8/10] hindurch
ist das Mausoleum [11] zu erreichen. Dieser außen zwölf- und
innen sechsseitige Zentralbau beherbergt die Sarkophage von sieben Mitgliedern
des herzoglichen Hauses Pfalz-Neuburg, darunter auch den reichgeschmückten
Zinnsarkophag des 1716 verstorbenen Kurfürsten Johann Wilhelm ("Jan
Wellem") [12].
Wendet man sich wieder dem Ausgang der
Kirche zu, fällt der Blick zum einen auf das prächtige Orgelprospekt
(1780/82) [13] wie auch das von Gabriel de Grupello geschaffene Kreuz (neben
dem Portal) [14].
Bis zur Auflösung des Jesuitenordens
1773 blieb Sankt Andreas Klosterkirche; 1842 schließlich wurde sie
zur Pfarrkirche erhoben. 1972 übernahmen die Dominikaner die Seelsorge
an der Kirche, die sich heute im Besitz des Landes NRW befindet.
Dr. Ulrich Engel OP |
Literatur
JÜRGEN WIENER, Düsseldorf -
St. Andreas (Euro Art Verlag Kurt L. Lehner Kunstführer), Passau 1997.
Sonja Schürmann, Düsseldorf.
Eine moderne Landeshauptstadt mit 700jähriger Geschichte und Kultur
(DuMont Kunst-Reiseführer), Köln 1988.
Benedikt Hilgefort OP, St. Andreaskirche
zu Düsseldorf, Düsseldorf 1989. |
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